Zurück

Ein Paradies für Vogelbeobachter: der Viktoriasee und angrenzende Nationalparks

counter article 28720
Bewertung:
Lesezeit: 15 Min.
Vogelbeobachtung Vogelbeobachtung

Die beliebtesten Reiserouten führen durch die nördlichen und südlichen Nationalparks des Landes – Gebiete, die zu den am besten erforschten Hotspots Tansanias für die Vielfalt der Vogelarten zählen. Dazu gehören die bekannten Serengeti und Ngorongoro, der seit Hemingways Zeiten berühmte Lake Manyara, ein Nationalpark, zu dem der Kilimandscharo gehört, ebenso wie im Süden Mikumi, Selous und Nyerere sowie die weiten Wildnislandschaften des Ruaha-Nationalparks. Daneben gibt es in Tansania jedoch auch weniger erforschte und nur selten besuchte Orte. Für Reisende, die sich auf Birding-Touren in Tansania einlassen möchten, bedeutet das keineswegs, dass es dort wenig zu entdecken gäbe.

Im Nordwesten des Landes liegen zahlreiche artenreiche Lebensräume, die Tausende Vögel unterschiedlichster Arten anziehen. Wasser prägt diese Landschaft: von den Kagera-Seen mit ihren Sümpfen über die Flüsse, die den Viktoriasee speisen, bis hin zum gewaltigen See selbst mit seinen Papyrusgürteln und dicht bewaldeten Inseln. Vor einigen Jahren richtete die tansanische Regierung hier mehrere neue Nationalparks ein, für die es bislang noch keine vollständigen Artenlisten gibt. Diese Schutzgebiete brauchen engagierte Birder, die bereit sind, auf Birding-Reisen nach Tansania zu gehen und die faszinierende lokale Avifauna weiter zu erforschen.

Burigi-Chato-Nationalpark

Direkt am Viktoriasee, dem größten See Afrikas, liegt der Burigi-Chato-Nationalpark. Er umfasst ausgedehnte Gebiete und ist flächenmäßig der sechstgrößte Nationalpark Tansanias. Seine Landschaft reicht vom Seeufer bis an die Grenze zum benachbarten Ruanda. Hügeliges Gelände mit Waldflächen prägt diesen Teil des Landes, dazu kommen Flüsse und der beeindruckend lange Burigi-See. Seine Länge exakt zu bestimmen, ist nicht einfach – je nach Wasserstand liegt sie zwischen 18 und 30 km. Dieses Phänomen ist für diesen Teil Afrikas typisch, da viele Gewässer zwischen wasserreichen Phasen und zeitweiser Austrocknung schwanken. Der See, die Flüsse mit ihren Überschwemmungsebenen und die dauerhaften Marschgebiete machen diesen Ort für Vögel besonders attraktiv.

Mehrere Schuhschnäbel (Balaeniceps rex) wurden hier bereits gesichtet, und es wird vermutet, dass sie in diesen Gebieten brüten könnten. Dieser einzelgängerische Vogel bevorzugt schwer zugängliche Sumpflandschaften. Verlässliche Daten zu seiner Population in Tansania gibt es nicht; jeder Ort, an dem er jemals beobachtet wurde, weckt daher großes Interesse unter Vogelbeobachtern. Der Burigi-Chato-Nationalpark zählt zu den wenigen geeigneten Lebensräumen, in denen dieser seltene Vogel nisten könnte.

Es gibt Berichte über Sichtungen des Rotgesicht-Bartvogels (Lybius rubrifacies) in diesem Gebiet. Diese Vögel haben ein begrenztes Verbreitungsgebiet und kommen nur in diesem Teil Tansanias sowie in angrenzenden Ländern vor. Man findet sie in Wäldern oder in Graslandschaften mit einzelnen Bäumen. Rotgesicht-Bartvögel leben häufig paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Über sie ist noch nicht viel bekannt, weshalb die Beobachtung ihres Verhaltens besonders spannend sein kann. Auch der Miomborötel (Monticola angolensis) und der Arnot-Schmätzer (Myrmecocichla arnotti), die normalerweise deutlich weiter südlich vorkommen, wurden im Nationalpark bereits beobachtet.

Rotgesicht-Bartvogel. Foto von Bradley Hacker
Rotgesicht-Bartvogel. Foto von Bradley Hacker
Arnot-Schmätzer. Foto von Fernando Enrique Navarrete
Arnot-Schmätzer. Foto von Fernando Enrique Navarrete

Diese weitläufigen Gebiete bieten dem Wachtelkönig (Crex crex) und der Doppelschnepfe (Gallinago media) geeignete Lebensräume. Zumindest nutzen diese Zugvögel das Gebiet des Nationalparks als Rastplatz auf ihren langen Flügen. Die Doppelschnepfe ist für ihre außergewöhnlichen Zugleistungen bekannt und legt enorme Strecken ohne Pause zurück. Ihre Migration umfasst beeindruckende Distanzen von 4.000 bis 7.000 km, die sie im Durchschnitt in 3 Tagen bewältigt. Sie fliegt nicht nur häufig mehrere Tausend Kilometer ohne Zwischenstopp, auch ihre Fluggeschwindigkeit ist bemerkenswert. Doppelschnepfen gelten als einige der schnellsten Zugvögel und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 97 km/h. Zudem könnten sie den Höhenrekord halten: Ein Vertreter dieser Art wurde auf 8.700 m über dem Meeresspiegel beobachtet. Es ist erstaunlich, dass ein so kleiner Vogel zu derart großen Leistungen fähig ist.

In Checklisten für dieses Gebiet werden Schwarzmaskendrosslinge (Turdoides sharpei) erwähnt – laute Vögel, die in Trupps Büsche und hohes Gras besetzen – sowie Halsbandfrankoline (Scleroptila streptophora), die grasige, felsige Hügel bevorzugen. Wie alle Frankoline fliehen sie rasch, sobald sie Gefahr wittern; diese Art gilt jedoch als besonders scheu. Am leichtesten lassen sie sich vermutlich früh am Morgen beobachten.

Schwarzmaskendrossling
Schwarzmaskendrossling
Halsbandfrankolin. Foto von Ross Gallardy
Halsbandfrankolin. Foto von Ross Gallardy

Der Burigi-Chato-Nationalpark bestand bis vor Kurzem aus den Wildreservaten Burigi, Biharamulo und Kimisi. In vielen Quellen wird das Gebiet noch nach dieser älteren Einteilung beschrieben. Umso erstaunlicher ist, dass es für diesen Teil Tansanias keine umfassenden Listen der Vogelarten gibt und die Region nur unzureichend erforscht ist. Bislang wurden lediglich einige Dutzend Arten dokumentiert, obwohl ein so vielfältiger Lebensraum deutlich mehr Vogelarten erwarten lässt. Wahrscheinlich liegt die Zahl der Arten hier nahe bei 400. Zu hoffen ist, dass diese wenig erschlossenen Gebiete in den kommenden Jahren mehr Reisende anziehen, darunter leidenschaftliche Birder. So wird sich das Verständnis der Vogelwelt im Nordwesten Tansanias weiter vertiefen.

Die Feuchtgebiete des Kagera-Flusses

Im Nordwesten Tansanias, entlang der Grenze zu Ruanda, verläuft mit dem Kagera einer der längsten Flüsse des Landes. Er gilt als der am weitesten entfernte Quellfluss des Nil-Systems. Der Fluss gibt sowohl der tansanischen Region als auch dem Akagera-Nationalpark im benachbarten Ruanda seinen Namen. Über nahezu seinen gesamten Lauf bildet der Kagera eine ausgedehnte Überschwemmungsebene mit Sümpfen; sein Einzugsgebiet umfasst insgesamt 60.000 Quadratkilometer. Schließlich ist der Kagera der größte Zufluss des Viktoriasees. In dieser Landschaft liegen zudem mehrere Seen. Diese Fülle an Wasserlebensräumen zieht selbstverständlich zahlreiche Vogelarten an.

2019 wurden in der Nähe des Kagera-Flusses 3 Nationalparks eingerichtet: Burigi-Chato, Rumanyika-Karagwe und Ibanda-Kyerwa. Die Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt in diesen Gebieten läuft weiter, Safarirouten werden entwickelt, und touristische Infrastruktur ist in Planung. Kurz gesagt: Die detaillierte Erforschung dieser Region, einschließlich ornithologischer Studien, steht erst am Anfang. Hier haben Sie die seltene Gelegenheit, zu den ersten Beobachtern der Vogelwelt im Westen Tansanias, westlich des Viktoriasees, zu gehören. Der ruandische Akagera-Nationalpark dient als inspirierendes Beispiel: Er besteht seit fast einem Jahrhundert, gilt als eines der größten Schutzgebiete entlang des Nil-Systems und ist buchstäblich von Hotspots für Vogelbeobachter durchzogen. Zweifellos wird auch der tansanische Teil der Kagera-Auen in den kommenden Jahren mehr Aufmerksamkeit erhalten. Derzeit ist die Avifauna dieser Orte nur wenig untersucht und lediglich allgemein als wichtiges Vogelgebiet in den Sümpfen des Kagera-Flusses beschrieben.

Das Vorkommen des Papyrus-Gelbsängers (Calamonastides gracilirostris) ist in diesem Gebiet dokumentiert. Dieser Vogel ist in Ostafrika relativ selten und kommt, wie sein Name bereits andeutet, ausschließlich in Papyrus- und Schilfbeständen vor. Ein anderer Sänger, der Große Sumpfrohrsänger (Acrocephalus rufescens), trägt einen etwas ähnlichen Namen, ist jedoch deutlich auffälliger und wesentlich weiter verbreitet. Zwar gibt es gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Papyrus-Gelbsänger und anderen Arten, doch klare Merkmale heben ihn ab: eine grünlichere Oberseite, ein breiterer Schnabel sowie schlanke Beine und ein schmaler Schwanz. Auch ihre Gesänge unterscheiden sich deutlich, was für die Artbestimmung entscheidend sein kann. Bei ähnlichen Arten ist daher genaue Aufmerksamkeit wichtig.

Papyrus-Gelbsänger. Foto von Gary Douglas
Papyrus-Gelbsänger. Foto von Gary Douglas
Papyruswürger
Papyruswürger

Auch der Schuhschnabel (Balaeniceps rex) wurde hier beobachtet, wenn auch selten und nur in geringer Zahl. Man vermutet, dass in diesen Gebieten mehr Individuen leben. Die Bekassine (Gallinago media) wurde ebenfalls nachgewiesen, allerdings nur vereinzelt. Der Papyruswürger (Laniarius mufumbiri) kommt hingegen fast entlang des gesamten Kagera-Laufs vor. Es ist ein schöner Vogel mit einer gelben „Kappe“ auf dem Kopf; Brust und Bauch werden als leuchtend rosa-orange beschrieben. Seine auffälligen Rufe, darunter Pfeif- und Knarrlaute, helfen dabei, ihn in den Papyrusbüschen zu lokalisieren.

Bekannt ist außerdem, dass die Kagera-Sümpfe dem Weißflügel-Sumpfsänger (Bradypterus carpalis) aus der Familie der Schwirlverwandten und dem Papyrusgirlitz (Crithagra koliensis) aus der Familie der Finken Lebensraum bieten. Letzterer baut seine Nester direkt an Papyrusstängeln und verwendet dafür die Blätter dieser Pflanze. Schon an den Namen wird deutlich, wie stark viele Vögel der Region von der Flora abhängen, die entlang des Kagera-Flusses vorherrscht.

Weißflügel-Sumpfsänger. Foto von Stefan Hirsch
Weißflügel-Sumpfsänger. Foto von Stefan Hirsch
Papyrusgirlitz. Foto von Jason Estep
Papyrusgirlitz. Foto von Jason Estep

Minziro Forest Reserve

Weiter nördlich, nahe der Grenze zu Uganda, liegt auf einem Hochland ein bedeutendes Waldreservat. Hier wurden mehr als 200 Vogelarten registriert, darunter mehrere Dutzend Arten, die eher für die Wälder Ugandas als für Tansania typisch sind. Es ist einer jener Orte mit wirklich außergewöhnlichen Lebensräumen.

Hier lässt sich der Woodhouse-Ameisenpicker (Parmoptila woodhousei) beobachten, der normalerweise am anderen Ende des Kontinents vorkommt und dem Biom West- und Zentralafrikas zugeordnet wird. Auch der Afrikanische Schnäpperwürger (Megabyas flammulatus) wurde in den hiesigen Wäldern gesichtet. Besonders interessant ist zudem der Dunkle Langschwanzkuckuck (Cercococcyx mechowi). Die Westküste des Viktoriasees ist der einzige Ort in Tansania, an dem diese Art beobachtet werden kann.

Woodhouse-Ameisenpicker. Foto von Garrett Rhyne
Woodhouse-Ameisenpicker. Foto von Garrett Rhyne
Dunkler Langschwanzkuckuck. Foto von Megan Perkins
Dunkler Langschwanzkuckuck. Foto von Megan Perkins

Einer der schönsten Funde für Vogelbeobachter ist der Riesenturako (Corythaeola cristata). Dieser außergewöhnlich schöne Vogel lässt sich kaum in Worte fassen; man möchte ihn mit eigenen Augen sehen. Im Vergleich zu anderen Turakoarten ist er übrigens leichter zu beobachten, da seine Flugfähigkeit begrenzt ist und er häufig von Ast zu Ast hüpft. Leider ist bekannt, dass in ländlichen Gebieten der Demokratischen Republik Kongo das Fleisch dieser Vögel verzehrt wird.

Riesenturako
Riesenturako
Prachtnektarvogel. Foto von John Sterling
Prachtnektarvogel. Foto von John Sterling

Der Prachtnektarvogel (Cinnyris superbus) kann eine weitere glückliche Sichtung in diesem Waldreservat sein. Neben ihm kommen hier 5 weitere Nektarvogelarten vor. Ein weiterer farbenreicher Vogel dieses Gebiets ist der Weißbauch-Zwergfischer (Corythornis leucogaster). Auch der Grauwangenhornvogel (Bycanistes subcylindricus) vermag selbst erfahrene Vogelbegeisterte zu fesseln. Dieser prächtige, waldbewohnende Nashornvogel wird besonders von Fruchtbäumen angezogen, vor allem von Feigen.

Weißbauch-Zwergfischer. Foto von Daniel López-Velasco | Ornis Birding Expeditions
Weißbauch-Zwergfischer. Foto von Daniel López-Velasco | Ornis Birding Expeditions
Ein Paar Grauwangenhornvögel
Ein Paar Grauwangenhornvögel

Wichtig ist, nicht nur in die Äste zu schauen, sondern auch auf den Boden. In Minziro leben interessante Vögel, die von Würmern, Weichtieren und Blutegeln angezogen werden. So streift etwa die Weißfleckenralle (Sarothrura pulchra) auf Nahrungssuche durch das Unterholz, während der Lathamfrankolin (Peliperdix lathami) ein heimlicher und recht scheuer Vogel ist.

Weißfleckenralle. Foto von Tong Mu
Weißfleckenralle. Foto von Tong Mu
Lathamfrankolin. Foto von Shane Dollman
Lathamfrankolin. Foto von Shane Dollman

Im Minziro-Wald begegnet man vielen weiteren schönen und ungewöhnlichen Arten. In diesem kurzen Überblick können wir sie leider nicht alle nennen; daher beschränken wir uns auf einige Arten, die in diesem Gebiet vorkommen: den Rotkopf-Malimbe (Malimbus rubricollis), den Gelbbauch-Langschnabel (Macrosphenus flavicans), den Rotbauch-Paradiesschnäpper (Terpsiphone rufiventer) und sogar den besten Lautimitator unter den Vögeln weltweit, den Graupapagei (Psittacus erithacus). Letzterer ist dafür bekannt, nicht nur komplexe Laute nachzuahmen, sondern sie auch mit Gegenständen und sogar mit Konzepten wie Farben und Zahlen zu verbinden – ein Hinweis auf seine hohe Intelligenz.

Rotkopf-Malimbe
Rotkopf-Malimbe
Graupapagei
Graupapagei

Wenn Sie diesen nordwestlichen Teil Tansanias erkunden, sollten Sie daran denken, dass hier viele Vögel zu sehen sind, die traditionell in Zentral- und sogar Westafrika beheimatet sind. Genau das macht die Region zu einem außergewöhnlichen und faszinierenden Ort für die Vogelbeobachtung.

Rubondo-Island-Nationalpark

Über den Viktoriasee verstreut liegen zahlreiche Inseln, darunter Rubondo Island nördlich des Emin-Pasha-Golfs. Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer kleiner Inseln und den umliegenden Gewässern bildet sie den Rubondo-Island-Nationalpark. Die Insel ist für ihre dichten Wälder bekannt. Eine dauerhafte Siedlung gab es hier nie, und sie beherbergt eine große Vielfalt an Vögeln und Schmetterlingen, deren Artenreichtum weitgehend unbeeinflusst von der Zivilisation geblieben ist. Es heißt, dass im Nationalpark mehr als 400 Vogelarten vorkommen.

Neben dem Regenwald auf der 26 km langen Hauptinsel gibt es wichtige Vogellebensräume wie Papyrussümpfe, die von Dattelpalmen gesäumt werden, außerdem Wiesen und sogar Sandstrände. Dennoch sind bis zu 90% des Nationalparks von Wald bedeckt. Flüsse gibt es auf der Insel nicht, und der Boden ist vulkanischen Ursprungs, da die Insel im Wesentlichen aus 4 Vulkanhügeln besteht.

Hier lassen sich Goliathreiher (Ardea goliath) beobachten, deren Name darauf verweist, dass diese Art der größte Vertreter der Reiher ist. Sie erreicht eine beeindruckende Höhe von 152 cm. Die Hauptinsel beherbergt außerdem eine große Kolonie von Schreiseeadlern (Haliaeetus vocifer). Besucher des Parks berichten, dass ihre raubvogelartigen Rufe nahezu ständig über dem Wald zu hören sind. Es wird angenommen, dass Rubondo Island die weltweit dichteste Population dieser majestätischen Adler beherbergt.

Goliathreiher
Goliathreiher
Schreiseeadler
Schreiseeadler

Im Nationalpark finden sich zahlreiche Heilige Ibisse (Threskiornis aethiopicus), Vögel, die im Alten Ägypten eine besondere religiöse Bedeutung hatten, jedoch durch massenhafte Tötung stark dezimiert wurden. Sie galten als heilig und wurden dem Gott Thot geopfert. Historische Aufzeichnungen schätzen, dass in jener Zeit bis zu 8 Millionen Ibisse getötet wurden. Heute hat sich die Art erholt; ihre weltweite Population liegt zwischen 200.000 und 450.000 Individuen und ist nicht mehr unmittelbar bedroht.

Unter den weiteren Wasservögeln der Insel lassen sich Riedscharben (Microcarbo africanus) beobachten. Diese Kormorane sind für ihre beeindruckenden Tauchfähigkeiten bekannt, mit denen sie in große Tiefen hinabstoßen, um Beute zu suchen. Genau diese Eigenschaft macht sie jedoch zu direkten Konkurrenten der Fischer, die ihnen häufig wenig Wohlwollen entgegenbringen. Zusätzlich kommen in diesem Gebiet auch Kormorane (Phalacrocorax carbo) vor, was die vielfältige Vogelgemeinschaft der Insel weiter bereichert.

Heiliger Ibis
Heiliger Ibis
Riedscharbe
Riedscharbe

Im Rubondo-Island-Nationalpark können Sie verschiedene fliegende Greifvögel beobachten, darunter Schreiseeadler und Westliche Bänder-Schlangenadler (Circaetus cinerascens). Auch Wasservögel wie Küstenreiher (Egretta dimorpha) sind hier zu sehen. Der Park ist Lebensraum des Braunkehlwebers (Ploceus castanops) sowie mehrerer weiterer Webervogelarten.

Einer der schönsten Vögel hier ist der Rotbrust-Nektarvogel (Cinnyris erythrocercus), der erstmals vom deutschen Zoologen Gustav Hartlaub beschrieben wurde, bekannt für seine Arbeiten zu exotischen Vogelarten. Zu seinen Beiträgen zur Ornithologie zählen die Beschreibung Hunderter neuer Vogelarten und die Mitbegründung des Journal für Ornithologie im Jahr 1853. Bis heute tragen einige Vogelarten seinen Namen, um seinen Beitrag zur Ornithologie zu würdigen.

Auch der Graupapagei (Psittacus erithacus) kommt auf der Insel vor. Allgemein gesprochen handelt es sich auf Rubondo um eine eingeführte Art, wie bei den meisten großen Tieren, die hier leben. Die Tiere wurden bereits Mitte der 1960er-Jahre auf die Insel gebracht. Einer der Ersten, die dies veranlassten, war der Zoologe und engagierte Tierschützer Bernhard Grzimek, Autor des Buches „Serengeti darf nicht sterben“. Bei den Graupapageien geschah dies im Jahr 2000, als 34 Vögel dieser Art aus den Händen von Wilderern gerettet und in den Weiten der Insel freigelassen wurden.

Die Website ebird.org führt für diesen Standort weniger als 100 Arten auf. Bisher wurden jedoch nur 9 Checklisten eingereicht, und wir gehen davon aus, dass in diesem wunderbaren, artenreichen Inselnationalpark noch viele weitere Arten entdeckt werden können.

Viktoriasee: Mwanza-Golf

Zu den wichtigen Vogelgebieten am Viktoriasee zählen neben Inselgruppen auch mehrere Buchten und angrenzende Landschaften. In der Regel sind sie nur wenig untersucht, und umfassende Vogellisten fehlen. Dazu gehören die Bunda-Bucht, die fast an die Serengeti grenzt, die weiter nördlich gelegene Mara-Bucht sowie die Mwanza-Bucht mit der gleichnamigen Großstadt.

In diesen Gebieten kommen viele Vogelarten vor, insbesondere Wasservögel. Wegen der geringen Datenlage beschreiben wir diese Buchten und die Bumbire-Inseln hier nicht ausführlich. Stattdessen halten wir kurz bei der Mwanza-Bucht, um den Blick auf die Region insgesamt und auf einzelne Standorte am Viktoriasee zu lenken.

Das wichtige Vogelgebiet umfasst einen Teil der Bucht, mit Papyrus bewachsene Küstenbereiche sowie kleine Inseln im See, darunter die größte Insel namens Juma. Besonders auffällig sind hier die Bestände von Kormoranen (Phalacrocorax carbo) und Riedscharben (Microcarbo africanus), die Hunderte oder sogar Tausende Individuen zählen. Auch mehrere Tausend Seidenreiher (Crinifer zonurus) wurden verzeichnet.

Kormoran
Kormoran
Seidenreiher
Seidenreiher

Zum lokalen wichtigen Vogelgebiet gehört auch die winzige Insel Saanane, die zusammen mit 2 benachbarten Inselchen den kleinsten Nationalpark Tansanias bildet: den Saanane-Island-Nationalpark. Er umfasst eine Fläche von etwas mehr als 2 Quadratkilometern. Sein besonderer Vorteil liegt darin, dass er sich innerhalb der Stadtgrenzen von Mwanza befindet. Im Park leben mehr als 100 Vogelarten.

Zu den interessantesten Arten hier zählt der Östliche Bananenfresser (Crinifer zonurus). Er besitzt zwar nicht das farbenprächtige Gefieder der Turakos, ist aber dennoch ein eigenständiger, schöner Vogel mit leuchtend gelbem Schnabel und ausdrucksvollem Verhalten. Auch der Klaaskuckuck (Chrysococcyx klaas) beeindruckt mit Bronze- und glänzenden Grüntönen. Er legt seine Eier in die Nester anderer Arten, häufig in die von Nektarvögeln. Klaas, nach dem die Art benannt wurde, war übrigens kein Wissenschaftler und auch kein wohlhabender Expeditionsförderer, sondern ein einfacher Assistent, ein Die Khoekhoen sind ein nomadisches indigenes Volk im Südwesten Afrikas. Ihre Sprache ist älter als die Bantusprachen. der das Typusexemplar fand. Der Ornithologe François Levaillant war ein französischer Ornithologe und Afrikaforscher, der im 18. Jahrhundert eine lange Reise durch den Süden des Kontinents unternahm. Er war ein neugieriger Wissenschaftler, ein Bewunderer der Schönheit und ein leidenschaftlicher Jäger. Während seiner Reisen durch das südliche Afrika verliebte sich Levaillant in eine junge Frau aus dem Volk der Khoekhoe und hielt ihre Annäherung in seinen Notizen fest. Diese Aufzeichnungen beeinflussten frühe südafrikanische Romane, in denen Beziehungen zwischen Europäern und afrikanischen Frauen eine Rolle spielten. Der Franzose nannte sie Narina, was in der Sprache der Khoekhoe „Blume“ bedeutet. Später beschrieb er eine neue Vogelart und benannte sie nach seiner Geliebten: Apaloderma narina, auch bekannt als Narina-Trogon. François Levaillant gilt als Pionier des Reisebericht-Genres und als Erneuerer jener Reiseform, die später als Safari bekannt wurde, auch wenn er den Begriff „Safari“ selbst nicht prägte. Das Wort stammt aus dem Swahili und verbreitete sich erst nach seiner Zeit. betrachtete ihn als Freund und wollte seinen Namen in der Geschichte bewahren.

Östlicher Bananenfresser
Östlicher Bananenfresser
Klaaskuckuck
Klaaskuckuck

Unter den örtlichen Nektarvögeln lassen sich der Gelbbauch-Nektarvogel (Cinnyris venustus) und der Rotbrust-Glanzköpfchen (Chalcomitra senegalensis) nennen. Neben Nektar umfasst ihre Nahrung verschiedene Insekten, Spinnen, Heuschrecken und Raupen. Am besten hat die Natur sie jedoch für die Aufnahme von Nektar ausgestattet: Ihr geringes Gewicht hilft ihnen, leicht von Blüte zu Blüte zu flattern und vor bevorzugten Blüten in der Luft zu stehen; ihre langen, gebogenen Schnäbel mit scharfen Spitzen ermöglichen es ihnen, den Nektar zu erreichen, notfalls indem sie die Blütenblätter anstechen. Die langen, röhrenförmigen Zungen dieser winzigen Vögel sind speziell dafür ausgelegt, Nektar aufzunehmen. Das gilt für alle Nektarvögel. Auf der Insel leben außerdem noch einige weitere Arten.

Gelbbauch-Nektarvogel
Gelbbauch-Nektarvogel
Rotbrust-Glanzköpfchen
Rotbrust-Glanzköpfchen

Der Kuckucksweber, auch Kuckucksfink genannt (Anomalospiza imberbis), ist ein weiterer interessanter Vogel, dem Sie hier begegnen können. Er kommt in vielen Teilen Afrikas vor, wurde jedoch erstmals hier in Tansania entdeckt und beschrieben, an der Küste gegenüber von Sansibar. Kuckucksweber heißt er, weil er wie Kuckucke seine Eier in die Nester anderer Vögel legt. Zu seinen Wirten zählen häufig Prinien, kleine Vögel aus der Familie der Halmsängerartigen. Und reagieren diese Wirte darauf? Ihre eigenen Eier haben sich rasch weiterentwickelt – sie verändern ihre Färbung, sodass die Eltern die eigenen Eier von den Brutschmarotzer-Eiern unterscheiden können. Interessanterweise haben sich auch die Eier der Kuckucksweber angepasst: Die parasitischen Vögel legen inzwischen Eier, die den veränderten Farben der Wirts-Eier ähneln. Eine faszinierende evolutionäre Auseinandersetzung, die in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet wurde.

Kuckucksweber. Foto von Phil Chaon
Kuckucksweber. Foto von Phil Chaon
Rostflankenprinie (Prinia subflava) – ein Wirt des Kuckuckswebers
Rostflankenprinie (Prinia subflava) – ein Wirt des Kuckuckswebers

Auf den Inseln des Saanane-Island-Nationalparks finden Sie viele weitere interessante Vögel, ebenso entlang des gesamten tansanischen Ufers des Viktoriasees. Ein gutes Beispiel ist ein Standort, der laut ebird.org mit 400 erfassten Vogelarten zu den Top-15-Hotspots in Tansania zählt – eine der Lodges nahe der Speke-Bucht. Die Bucht wurde übrigens nach  John Speke war ein bekannter englischer Entdecker und unermüdlicher Afrikareisender. Mitte des 19. Jahrhunderts unternahm er 3 Expeditionen über den damals für Europäer weitgehend unbekannten Kontinent auf der Suche nach der Quelle des Nils. Durch seine Unternehmungen erfuhren Europäer von den 3 Großen Seen Afrikas und entdeckten die tatsächliche Nilquelle – den Viktoriasee mit seinem Zufluss, dem Kagera. dem europäischen Entdecker benannt, der den Viktoriasee als Quelle des Nils identifizierte.

Was die weiteren, weniger erforschten Birding-Standorte in Tansania betrifft, die wir in diesem Artikel beschrieben haben: Verstehen Sie die geringe Datenlage als Einladung, sich in diese faszinierenden, vogelreichen Landschaften vorzuwagen und zu den frühen Beobachtern zu gehören.

Wenn Sie die interessantesten Birding-Standorte in anderen Landesteilen erkunden möchten, empfehlen wir unseren Überblicksartikel „Tansania: Top 10 Orte für Vogelbeobachtung“.

Veröffentlicht am 8 October 2023 Aktualisiert am 20 May 2026
Redaktionelle Standards

Alle Inhalte auf Altezza Travel entstehen auf Basis fachkundiger Einschätzungen und sorgfältiger Recherche – im Einklang mit unseren Redaktionsrichtlinien.

Über den Autor
Yurii Bogorodskiy

Yurii, festangestellter Rechercheur und Autor bei Altezza Travel, lebt seit 2019 in Tansania. Er hat viele der weniger bekannten Reiseziele des Landes erkundet, darunter den Kitulo- und den Rubondo-Nationalpark, den Viktoriasee, Sansibar sowie zahlreiche historische, natürliche und archäologische Stätten.

Vollständige Biografie lesen
Kommentar hinzufügen
Vielen Dank für Ihren Kommentar!
Er erscheint nach der Prüfung auf der Website.
Bei Fragen schreiben Sie uns jederzeit über WhatsApp.

Möchten Sie mehr über Reisen in Tansania erfahren?

Sprechen Sie mit unserem Team! Wir kennen die wichtigsten Reiseziele in ganz Tansania aus eigener Erfahrung. Unsere Reiseberater am Kilimandscharo teilen gerne ihr Wissen und helfen Ihnen, Ihre Reise sorgfältig zu planen.

Weitere interessante Artikel

Erfolgreich
Ihre Anfrage ist bei uns eingegangen
Wenn Sie jetzt mit unserem Team chatten möchten, tippen Sie unten auf WhatsApp.
Ups!
Entschuldigung, etwas ist schiefgelaufen ...
Bitte kontaktieren Sie uns über den Online-Chat oder WhatsApp. Wir helfen Ihnen gern weiter.
Planen Sie eine Reise nach Tansania?
Unser Team ist jederzeit für Sie da
RU
Ich bevorzuge:
Wenn Sie auf Senden klicken, stimmen Sie unserer Datenschutzerklärung zu.