Der Westen Tansanias umfasst weitläufige Schutzgebiete mit großen Vogelbeständen. Obwohl diese Region bei Reisenden auf Vogelbeobachtungstouren in Tansania deutlich seltener besucht wird und weniger touristische Aufmerksamkeit erhält als die Nationalparks im Norden Tansanias oder die Schutzgebiete näher am Indischen Ozean, besitzt sie eine eigene, stille Anziehungskraft. Die Artenvielfalt wirkt auf den ersten Blick vielleicht weniger umfangreich als in den bekannteren Nationalparks und Reservaten, doch hier eröffnen sich eindrucksvolle Landschaften und Tierbeobachtungen – darunter Vogelarten, die eher mit Zentralafrika als mit Ostafrika verbunden werden. Besonders interessant sind die Nationalparks und Waldreservate rund um die langgestreckten Seen des Rift Valley, die zahlreiche Möglichkeiten für Erkundungen und spannende Sichtungen seltener, außergewöhnlich schöner Vögel bieten.
Wenn Sie sich für die bekanntesten Reiseziele Tansanias interessieren, empfehlen wir Ihnen auch die Vogelwelt der Serengeti und des Ngorongoro sowie die Avifauna der Gebirgs-Nationalparks Arusha und Kilimandscharo. Auch die Schutzgebiete von Mikumi, Nyerere und Selous ermöglichen bemerkenswerte Begegnungen mit der Vogelwelt. Die atemberaubenden Landschaften und die vielfältigen Vogelarten auf Sansibar und in Dar es Salaam machen Tansania zusätzlich reizvoll für Vogelbeobachter, die eine kenntnisreich geplante Birding-Reise unternehmen möchten.
Katavi-Nationalpark
Katavi ist ein großer Nationalpark im Westen Tansanias. Das Gebiet war einst Jagdrevier Otto von Bismarcks – des Reichskanzlers des Deutschen Kaiserreichs im 19. Jahrhundert – und wurde später zu einem Schutzgebiet, in dem regulierte Jagd weiterhin stattfand. Heute ist Katavi ein geschützter Nationalpark in einer abgelegenen Region und wird daher nur selten von Reisenden besucht. Viele seiner Bereiche sind, ähnlich wie Teile des Ruaha-Nationalparks, aufgrund ihrer Abgeschiedenheit ornithologisch kaum erforscht. Für Vogelbeobachter ist Katavi dennoch außerordentlich interessant. ebird.org führt für diesen Standort nur 230 Arten mit bestätigten Sichtungen auf, allerdings wurden bislang lediglich 25 Checklisten eingereicht. Schätzungen zufolge könnten im Katavi-Gebiet mehr als 400 Vogelarten vorkommen; Birding-Reisende, die hierherkommen, können daher einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der lokalen Avifauna leisten.
Der Nationalpark liegt in einem Tal, dessen große Teile aus Überschwemmungswiesen sowie saisonalen Flüssen und Seen bestehen, die während der Trockenzeit teilweise oder vollständig austrocknen. Fast alle kleineren Flüsse münden in den Katuma-Fluss, der sein Wasser weiter nach Südosten in den Rukwasee führt, mit dem der Park ökologisch verbunden ist.
Wasservögel wie der Sichler (Plegadis falcinellus), der Afrika-Klaffschnabel (Anastomus lamelligerus), der Rallenreiher (Ardeola ralloides) und der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) werden hier beobachtet, auch wenn keine belastbaren Angaben zu ihren Beständen vorliegen.
Auch der Rötelfalke (Falco naumanni) und der Tansania-Maskenweber (Ploceus reichardi) können hier gesichtet werden. Letztere Art gilt als in Tansania endemisch, obwohl sie in den vergangenen Jahren auch im benachbarten Sambia nahe der Grenze unweit des Nyasasees beobachtet wurde. Ihr bevorzugter Lebensraum in Katavi sind Marschgebiete. Auf ebird.org ist der Weber für diesen Standort nicht aufgeführt; gerade weil er nahezu endemisch ist, dürfte die Sichtung dieses auffallenden Vogels für Vogelbeobachter im Westen Tansanias besonders reizvoll sein.
Aus Katavi gibt es spannende Berichte über das Vorkommen des Schuhschnabels (Balaeniceps rex). Diese Art gilt als gefährdet, und Sichtungen von Schuhschnäbeln in Tansania sind vergleichsweise selten. Die Vögel bewohnen tiefe Sümpfe, meist in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten, häufig innerhalb dichter Papyrusbestände. Einen Schuhschnabel zu entdecken und zu fotografieren, gilt für viele Vogelbeobachter als besonderer Erfolg. Die Feuchtgebiete in Katavi könnten gute Chancen bieten, diesem scheuen Vogel zu begegnen. Seine einzelgängerische Lebensweise macht die Suche allerdings anspruchsvoll.
Der Schuhschnabel, auch Walschnabel genannt, ist heute der einzige Vertreter seiner Familie; seinen Namen verdankt er der Ähnlichkeit seines massiven Schnabels mit einem Schuh beziehungsweise mit dem Kopf eines Meeressäugers. Nur Pelikane und einige große Störche besitzen längere Schnäbel. Breiter, also im Umfang größer, ist jedoch kein anderer Schnabel. Die Schnäbel der Schuhschnäbel sind so schwer, dass die Vögel sie in Ruhephasen sogar auf der Brust ablegen. Alle Körperpartien dieser Vögel wirken groß, und die Tiere selbst sind imposant: Manche Individuen erreichen eine Höhe von 152 cm. Gleichzeitig ist der Kopf des Schuhschnabels auffallend klein im Verhältnis zum Körper.
Auch die Laute der Schuhschnäbel sind bemerkenswert. Grundsätzlich sind diese Vögel still, doch gelegentlich ist ein Ruf zu hören, der an das Muhen einer Kuh erinnert. Die Jungvögel wiederum geben, wenn sie um Nahrung betteln, Laute von sich, die menschlichem Schluckauf ähneln. Häufiger kommunizieren Schuhschnäbel miteinander, indem sie mit ihren Schnäbeln klappern.
Der Schuhschnabel besitzt ein außergewöhnlich schönes Gefieder, das besonders auffällt, wenn der Vogel reglos verharrt. Wer ihn in seinem natürlichen Lebensraum beobachten darf, erlebt eine seltene Begegnung. In den 1970er-Jahren zählten führende Ornithologen Afrikas den Schuhschnabel zu den 5 Vogelarten, denen sie am liebsten begegnen wollten – trotz der Schwierigkeit dieses Vorhabens. Heute, da der weltweite Bestand zurückgeht und nicht mehr als 5.300 Individuen umfasst, ist der Wunsch, diesen eindrucksvollen Vogel zu sehen, nur noch größer geworden.
Im Katavi-Nationalpark lassen sich zahlreiche faszinierende Vogelarten beobachten, darunter der Afrikanische Scherenschnabel (Rynchops flavirostris), die Spatelracke (Coracias spatulatus) mit ihrem blassblauen Bauch und dem langen, gegabelten Schwanz, Stierlingspecht (Dendropicos stierlingi), Kurrichanedrossel (Turdus libonyana), Miombosteinrötel (Monticola angolensis) und Breitschwanz-Paradieswitwe (Vidua obtusa) mit ihrem prachtvollen Schwanzgefieder.
Im Westen und Süden Tansanias kommt der Arnot-Steinschmätzer (Myrmecocichla arnotti) vor. Der zweite Teil seines wissenschaftlichen Namens – arnotti – geht auf den Nachnamen des Sammlers Arnott zurück, wie in der Erstbeschreibung der Art erwähnt. Interessanterweise wurde der tatsächliche Nachname des Sammlers nur mit einem „t“ geschrieben: David Arnot. Der von Ornithologen festgehaltene Name blieb jedoch über die Zeit unverändert. Wie so oft gilt: Was einmal mit der Vogelfeder geschrieben wurde, lässt sich nicht mehr mit der Axt herauslösen.
Der Dickinsonfalke (Falco dickinsoni) ist in dieser Region Tansanias noch zu finden, weiter nördlich im Westen des Landes wird er dagegen nicht mehr beobachtet. Insgesamt erscheint der Katavi-Nationalpark als faszinierender, ökologisch vielfältiger Ort mit zahlreichen Möglichkeiten für vertiefte Erkundungen. Er wartet auf Menschen, die bereit sind, weit in die Feuchtgebiete vorzudringen.
Rukwasee
Der Rukwasee liegt südöstlich des Katavi-Nationalparks und verläuft parallel zum tiefsten See Afrikas, dem Tanganjikasee. Er ist zwar deutlich kürzer, hat aber denselben geologischen Ursprung als Teil beziehungsweise Seitenast des Großen Afrikanischen Grabenbruchs. Der Tiefenunterschied zwischen beiden Seen ist auffallend. Der Tanganjikasee erreicht eine maximale Tiefe von 1.471 m und eine durchschnittliche Tiefe von 570 m, während der Rukwasee im Schnitt nur etwas mehr als 3 m tief ist. Angesichts dieser geringen Tiefe überrascht es kaum, dass der Rukwasee zeitweise bereits ausgetrocknet ist. Interessanterweise weisen einige Quellen darauf hin, dass im Rukwasee die größte Krokodilpopulation Tansanias lebt.
Der Rukwasee wird von mehreren Flüssen gespeist, besitzt jedoch keinen Abfluss. Umgeben ist er von Sümpfen mit Schilf- und Papyrusbeständen; die angrenzenden Wiesen mit niedrigem Gras werden häufig überflutet. Diese fruchtbaren Lebensräume schaffen günstige Bedingungen für zahlreiche Vogelarten. Umweltschützer äußern jedoch Bedenken, seit im See bedeutende Heliumvorkommen entdeckt wurden. Zudem gelangt seit Mitte des 20. Jahrhunderts durch Bergbau, darunter Goldgewinnung, Quecksilber in den See. Berichte verweisen auf eine erhebliche Schädigung des lokalen Ökosystems durch landwirtschaftliche Erschließung, die Abholzung von Uferwäldern sowie den Bau von Dämmen und Bewässerungssystemen entlang der Flüsse, die den Rukwasee speisen.
Mehr als 350 Vogelarten wurden am Rukwasee nachgewiesen. Wegen der abgelegenen und schwer zugänglichen Lage des Gebiets sind die verfügbaren Daten jedoch möglicherweise nicht vollständig aktuell. Der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) und andere Wasservögel bewohnen den See. Mit einer Höhe von 180 cm besitzt der Rosapelikan einen Schnabel von 29 bis 47 cm Länge. Sein großer Kehlsack kann problemlos große Fische aus der Familie der Buntbarsche aufnehmen, die zu seiner bevorzugten Nahrung gehören – oder sogar das Küken einer anderen Vogelart. Diese imposanten Vögel sind echte Fleischfresser. Bemerkenswert ist, dass der Kehlsack eines Rosapelikans bis zu 4 kg Fisch auf einmal fassen kann.
Der Rukwasee gilt als größter Lebensraum für Rosapelikane (Pelecanus onocrotalus) in Afrika. Der weitläufige See beherbergt eine beeindruckende Brutkolonie dieser majestätischen Vögel mit mehreren Zehntausend Individuen. Die jüngsten Beobachtungen nennen eine Zahl von 80.000 Pelikanen. Rosapelikane bevorzugen flache Süßwassergewässer mit relativ warmem Wasser, was den Rukwasee zu einem besonders geeigneten Lebensraum macht.
Die Gewässer des Sees ziehen auch viele weitere Vogelarten an. Dazu gehören Weißflügel-Seeschwalben (Chlidonias leucopterus), Spornflügelgänse (Plectropterus gambensis) und Sichler (Plegadis falcinellus). Auch der Afrikanische Scherenschnabel (Rynchops flavirostris) lässt sich hier beobachten; sein markanter orangefarbener Schnabel ist selbst aus der Entfernung gut zu erkennen. Scherenschnäbel bilden meist Kolonien aus mehreren Dutzend Paaren und treten häufig mit verschiedenen Vogelarten in Kontakt – eine lohnende Beobachtung für erfahrene Birdwatcher.
In der Umgebung des Rukwasees besteht die Möglichkeit, den Tansania-Maskenweber (Ploceus reichardi) zu entdecken, eine in Tansania endemische Art. Diese Weber bevorzugen sumpfige Lebensräume, besonders Bereiche mit dichtem Schilf. Sie bilden häufig große Kolonien; ihre leuchtend olivgelben Rücken und Flanken heben sich deutlich vom umgebenden grünen Gras ab.
Bei Erkundungen am See und in seiner Umgebung wurden nur sehr vereinzelt Sichtungen des scheuen Schuhschnabels (Balaeniceps rex) gemeldet, auch wenn sein Vorkommen eher unwahrscheinlich ist. Auch Zwergflamingos (Phoeniconaias minor) wurden berichtet, vermutlich jedoch als Zugvögel und nicht als dauerhaft ansässige Bewohner des Sees. Weitere am Rukwasee beobachtete Vogelarten sind Rötelfalke (Falco naumanni), Wachtelkönig (Crex crex), Steppenweihe (Circus macrourus) und gelegentlich die Schwarzflügel-Brachschwalbe (Glareola nordmanni). Die geringe Tiefe des Sees macht ihn außerdem zu einem attraktiven Lebensraum für den Klunkerkranich (Grus carunculata).
Feuchtgebiete spielen für diese Art eine entscheidende Rolle. Insgesamt kommen in Tansania nur 2 Kranicharten vor: der Klunkerkranich und der Schwarze Kronenkranich. Beide Kranicharten sind bedroht. Dem Klunkerkranich (Grus carunculata) geht es etwas besser als dem Schwarzen Kronenkranich (Balearica pavonina), doch auch er leidet unter Lebensraumverlust durch die Degradation von Feuchtgebieten. Kranichen sollte man sich vorsichtig und nicht zu nah nähern, besonders wenn sie ihre Küken aufziehen; sie können dann scheu, aggressiv und in Einzelfällen auch gegenüber Menschen angriffslustig reagieren.
Das Seetal gilt als südlichster Lebensraum des Afrikanischen Straußes (Struthio camelus) im Land. Diese Vögel werden von offenen Flächen mit Gras angezogen, das nicht höher als 1 m ist. Wasser spielt für Strauße nur eine geringe Rolle, da sie ausreichend Flüssigkeit über ihre Nahrung aufnehmen; dennoch bietet das Seetal ihnen geeignete Lebensbedingungen.
Schilf auf überfluteten Flächen zieht auch die Rohrdommel (Botaurus stellaris) an, einen typischen Watvogel, der sich meisterhaft in Röhrichten verbirgt. Ihr Gefieder ist darauf abgestimmt, mit trockenen Halmen zu verschmelzen, besonders wenn sie auf einem Bein steht, den Hals streckt und den Kopf hebt. Indem die Rohrdommel ein Bündel Schilfhalme imitiert, kann sie diese Haltung über längere Zeit beibehalten – entweder beim geduldigen Lauern auf Fische, Frösche und verschiedene Insekten oder reglos, wenn Gefahr naht.
Auch die auffallend schönen Schwarzstörche (Ciconia nigra) suchen das Gebiet auf. Sie in Seenähe zu entdecken, wäre ein besonderer Glücksfall. Diese Vögel sind für ihre heimliche Lebensweise bekannt: Sie meiden die Nähe des Menschen, und vieles über ihr Leben ist bis heute kaum bekannt. Wer Schwarzstörche sehen möchte, sollte vor allem die südlichen und östlichen Ufer des Sees erkunden, wo sie nach ihrem Zug aus Europa und Asien überwintern.
Zu den weiteren interessanten Arten am Rukwasee gehört das Zwergsumpfhuhn (Zapornia pusilla), auch Baillon-Sumpfhuhn genannt. Es erreicht im Durchschnitt 18 cm Länge und wiegt nur 20–50 g. Suchen Sie es in Uferdickichten nahe am Wasser oder auf schwimmender Vegetation. Weitere bemerkenswerte Arten sind Bennettspecht (Campethera bennettii) und Nubierspecht (Campethera nubica) sowie der kleine Greifvogel Rotfußfalke (Falco vespertinus).
Entlang der südöstlichen Küste des Rukwasees ist eine Population der Weißschwanzlerche (Mirafra albicauda) bekannt. Diese Lerchen besitzen in Afrika nur wenige isolierte Populationen, und über die Existenz von Unterarten wird weiterhin diskutiert. Die lokale Form heißt Mirafra albicauda rukwensis. Die Vögel singen im Flug und lassen melodische Töne hören, während sie etwa 30 m über dem Boden schweben. Danach sinkt die Weißschwanzlerche rasch ab und läuft noch eine kurze Strecke, um ihr Singflugritual zu beenden.
Loazi-Kalambo-Waldreservate und nahe gelegene Gebiete
Westlich des Rukwasees liegt ein Hochplateau namens Ufipa. Es befindet sich zwischen 2 alten Seen des Rift Valley: dem Tanganjikasee und dem Rukwasee. Mit einer Höhe von mehr als 2.000 m ist das Plateau von Miombowäldern umgeben, die seine Hänge prägen. Auf dem Plateau liegen ein See und ein Sumpf sowie mehrere sumpfige Täler auf der Westseite. Besonders interessant ist dieses Gebiet, weil hier viele Vogelarten vorkommen, die eher mit Zentralafrika als mit Ostafrika verbunden werden. Die Waldreservate und die Flüsse, die sie durchziehen, ziehen vielfältige einheimische Vogelpopulationen an.
Ein bemerkenswerter Vogel dieser Region ist die Denhamtrappe (Neotis denhami). Früher war sie auf dem Plateau häufig und galt dort als größte Population Tansanias; ihr heutiges Vorkommen in der Region ist jedoch ungewiss. Leider ist die Art durch die Ausweitung von Weideflächen bedroht und vom Aussterben gefährdet.
Der Braunamarant (Lagonosticta nitidula), die Angolalerche (Mirafra angolensis) und der Laura-Laubsänger (Phylloscopus laurae) sind weitere zentralafrikanische Arten, die in diesem Gebiet beobachtet wurden. Der Ornithologe Wolfrid Rudyerd Boulton benannte den Laura-Laubsänger nach seiner Frau, die das erste Exemplar für die wissenschaftliche Beschreibung des Vogels beschaffte. Diese 3 Arten leben entlang des südöstlichen Ufers des Tanganjikasees, am nördlichsten Rand ihrer Verbreitungsgebiete. In anderen Teilen des Landes sind sie schwer zu finden, was die Waldreservate des Ufipa-Plateaus zu einem besonderen Ort für ihre Beobachtung macht.
Auf dem Plateau können auch die Afrikadrossel (Turdus pelios) und der Westliche Girlitz (Crithagra frontalis) gefunden werden. Interessanterweise liegen ihre anderen Populationen weit entfernt in anderen Landesteilen. Ähnliches gilt für den Schwarzstirn-Zistensänger (Cisticola nigriloris) und den Gelbstreifen-Bülbül (Phyllastrephus flavostriatus).
Hinzu kommt der Füllebornspornpieper (Macronyx fuelleborni), ein ausdrucksstarker Singvogel aus der Familie der Stelzen und Pieper. Er ist an seiner gelben Kehle und Brust zu erkennen, über die ein schwarzes V-förmiges Band verläuft. Der Vogel besitzt 2 Unterarten: Eine kommt ausschließlich im Südwesten Tansanias vor, während das Verbreitungsgebiet der zweiten bis in Nachbarländer reicht. Beide Unterarten können in den Loazi-Kalambo-Waldreservaten und nahe gelegenen Gebieten beobachtet werden. Interessanterweise erinnert der Name des Vogels an Friedrich Fülleborn, einen deutschen Arzt, der auf Tropenkrankheiten und Parasitologie spezialisiert war. Dr. Fülleborn forschte in diesen abgelegenen Regionen zu einer Zeit, als das Festland Tansanias unter der Kontrolle des Deutschen Kaiserreichs stand. Sein Name wird auch in den wissenschaftlichen Namen anderer Arten bewahrt, darunter Fülleborns Buntbarsch, ein endemischer Fisch des Nyasasees, sowie Trioceros fuelleborni, ein in Tansania endemisches Chamäleon.
Ein weiterer sehr schöner Vogel der Wälder auf dem Plateau ist der Miombo-Bartvogel (Tricholaema frontata). Auch diese Art ist eher typisch für Zentralafrika und lebt in dichten Miombowäldern, worauf bereits ihr englischer Name verweist. Interessant ist, dass Miombo-Bartvögel hier Seite an Seite mit Rotstirn-Bartvögeln (Tricholaema diademata) leben, ohne dass sich ihre Populationen vermischen. Es handelt sich um verwandte Arten, doch Letztere bevorzugen offenere Bereiche – Wiesen mit einzeln stehenden Bäumen und Akaziendickichte.
Die Wälder des Ufipa-Plateaus beherbergen den außergewöhnlich schönen Anchietanektarvogel (Anthreptes anchietae) und den Bocage-Akalat (Sheppardia bocagei) – 2 weitere typische Vertreter Zentralafrikas. Über den letztgenannten Vogel ist nur wenig bekannt; ihn in den Loazi-Kalambo-Waldreservaten zu finden, wäre für jeden Birdwatcher eine besonders spannende Beobachtung.
2 weitere Vertreter zentral- und ostafrikanischer Arten, der Rosenkehl-Spornpieper (Macronyx ameliae) und der Heuschreckenfink (Paludipasser locustella), besiedeln offenere Gebiete, vor allem Überschwemmungsflächen. Beide Arten kommen auf überfluteten Wiesen mit niedriger Vegetation vor. Interessanterweise führen Heuschreckenfinken nahezu dauerhaft ein bodengebundenes Leben.
In diesen Gebieten gibt es noch viele weitere interessante und ungewöhnliche Arten, sodass sich kaum alle aufzählen lassen. Als Beispiel sei die Rotkappen-Sylvietta (Sylvietta ruficapilla) genannt, für die die Wälder dieses Plateaus und das Ufer des Rukwasees die nördlichsten Ausläufer ihres Verbreitungsgebiets bilden. Der auf dem Plateau gelegene Sundu-See zieht die Südliche Moorente (Netta erythrophthalma), die Rotflügel-Brachschwalbe (Glareola pratincola) und den Haubentaucher (Podiceps cristatus) an. Dieser Taucher gilt in Ostafrika als zunehmend selten. Unter den endemischen Arten begegnen Sie hier dem Tansania-Maskenweber (Ploceus reichardi).
Mahale-Mountains-Nationalpark
Der Mahale-Mountains-Nationalpark liegt am Ostufer des Tanganjikasees. Es handelt sich um eine bewaldete Gebirgskette. Bisher wurden hier nicht besonders viele Vogelarten registriert – nur etwa 200. Das liegt unter anderem daran, dass die Region ornithologisch nur unzureichend erforscht ist. Es wird angenommen, dass die Artenvielfalt dieser Zone größer ist; der Nationalpark wartet also noch immer auf Feldforscher und engagierte Birdwatcher. Interessanterweise liegt diese Höhenzone, wie das Ufipa-Plateau, östlich des Tanganjikasees, doch die Biome beider Gebiete unterscheiden sich deutlich.
In den reizvollen Landschaften des Nationalparks kommen Vögel wie der Kungwe-Apalis (Apalis argentea) vor, dessen lokale Unterart in diesem Gebiet endemisch ist. Dasselbe gilt für Unterarten folgender Vögel: Gelbstreifen-Bülbül (Phyllastrephus flavostriatus), Gelbkehl-Laubsänger (Phylloscopus ruficapilla), Gelbbauch-Lappenschnäpper (Platysteira concreta), Braunbrust-Alethe (Chamaetylas poliocephala) und einige weitere.
Eine Art aus derselben Liste verdient eine eigene Erwähnung. Es ist ein schöner Vogel, dessen Männchen leuchtende Farben zeigen: Gelb, Grün, Blau, Rot, Violett und sogar metallische Töne. Gemeint ist der Königsnektarvogel (Cinnyris regius). Nektarvögel sind kleine Vögel mit langen, nach unten gebogenen Schnäbeln. Sie huschen von Blüte zu Blüte und stehen beim Fressen kurz in der Luft. Nektarvögel gelten als afrikanisch-asiatisches Pendant zu den weltberühmten amerikanischen Kolibris. Mehr als 50 Nektarvogelarten werden in Tansania beobachtet.
Auch eine weitere in den Mahale Mountains lebende Art kann als endemisch gelten: der Tansania-Maskenweber (Ploceus reichardi).
Zu den weiteren Bewohnern der Wälder des Nationalparks am Ufer des Tanganjikasees gehört die Graubeutelmeise (Anthoscopus caroli). Sie besitzt viele Unterarten, von denen eine in dieser Gegend nachgewiesen wurde. Ganz in der Nähe, auf dem Ufipa-Plateau, lebt eine weitere Unterart dieser Meise.
Eine für Tansania sehr seltene Art ist der Stuhlmannstar (Poeoptera stuhlmanni). Er scheint fast ausschließlich am Ufer des Tanganjikasees beobachtet zu werden. Ähnliches gilt für den Bambusrohrsänger (Locustella alfredi). Über Vertreter dieser Art ist nur wenig bekannt. Umso bemerkenswerter wäre es, sie in Tansania zu sehen und die eigene Sichtung auf der Karte zu markieren.
Zu den weiteren hier beobachteten Arten zählen Zimtbrustspint (Merops oreobates), Bergpirol (Oriolus percivali), Grauer Raupenfänger (Ceblepyris caesius), Wallerstar (Onychognathus walleri), Sharpestar (Poeoptera sharpii) und Sternrötel (Pogonocichla stellata).
Der Pirolgimpel (Linurgus olivaceus) und der Südliche Girlitz (Crithagra hyposticta) fallen in den Wäldern und angrenzenden Gebieten der Mahale Mountains auf. Hinzu kommen natürlich die auffälligen Nektarvögel: der Bronzenektarvogel (Nectarinia kilimensis) und der Wald-Doppelband-Nektarvogel (Cinnyris fuelleborni).
Der Feinbänder-Specht (Campethera taeniolaema) ist ein weiterer interessanter Vogel, der in diesem Gebiet vorkommt. Bemerkenswert ist, dass ihn nicht alle Fachleute als eigene Art betrachten; viele Quellen ordnen ihn als Unterart des Tullbergspechts (Campethera tullbergi) ein.
Ugalla-River-Nationalpark
50 km östlich des Katavi-Nationalparks liegt der wenig bekannte Ugalla-River-Nationalpark, der 2019 den Status eines Nationalparks erhielt. Zuvor war er mehr als ein halbes Jahrhundert Teil des Ugalla River Game Reserve. Der Fluss windet sich durch die Savannen Zentraltansanias, zieht westwärts zu den Sümpfen von Moyowosi und weiter in den Tanganjikasee. Solch weite, wasserreiche Landschaften ziehen naturgemäß viele Vögel an, darunter zahlreiche Wasservögel. Die Herausforderung dieses Nationalparks besteht darin, dass er ornithologisch kaum erforscht ist. Die tansanische Nationalparkbehörde selbst bezeichnet dieses Gebiet als unentdeckten Schatz Afrikas.
Hier leben sehr interessante Vögel, für die die Feuchtgebiete des Ugalla River der einzige Lebensraum in ganz Ostafrika sind. Gemeint sind Kastanienkopf-Sumpfhühnchen (Sarothrura lugens). Ihr Verbreitungsgebiet gilt als fragmentiert: Auf der Karte erscheinen nur winzige, isolierte Vorkommen, verstreut über den Kontinent. Das Aussehen dieses Vogels wurde detailliert beschrieben, doch über Nester, Eier und selbst Jungvögel wissen wir erstaunlich wenig.
Dies ist eine jener seltenen Arten, deren Beschreibungen kaum von Bildern begleitet werden. Wir würden Ihnen gern zeigen, wie dieser Vogel aussieht, doch es existieren nahezu keine Fotografien. Ist es nicht eine lohnende Aufgabe für einen engagierten Birdwatcher, nach Tansania zu reisen, den Ugalla-River-Nationalpark zu besuchen, das geheimnisvolle Kastanienkopf-Sumpfhühnchen zu finden und Aufnahmen zu machen, die in der Birding-Community sofort Beachtung finden würden?
Populationen von Weißscheitelkiebitzen (Vanellus albiceps) und Wachtelkönigen (Crex crex) wurden hier festgestellt. Außerdem gilt dieses Gebiet als wichtigster Lebensraum für Klunkerkraniche (Grus carunculata) in Tansania. Da die Art gefährdet ist, sind der Schutz dieser Population und der gesamten Ökoregion von großer Bedeutung. Je mehr Vogelbeobachter hierherkommen, desto stärker rücken die bedrohten Arten in den Blick.
Neben diesen Arten leben im Nationalpark der Afrika-Klaffschnabel (Anastomus lamelligerus), der Afrikanische Schlangenhalsvogel (Anhinga rufa) und der Silberreiher (Ardea alba). Silberreiher sind majestätische, elegante Vögel, die sich langsam bewegen oder oft reglos an einer Stelle verharren. Studien zeigen, dass ein Silberreiher, wenn er stillsteht, mehr Beute fangen kann als bei langsamer Bewegung. Besonders schön sind Silberreiher kurz nach der Mauser, wenn ihnen lange Schmuckfedern seitlich am Körper wachsen.
Kigosi und Moyowosi
Im Westen Tansanias liegt ein ausgedehntes Schutzgebiet, das für lokale Vogelpopulationen eine wichtige Rolle spielt. Es umfasst Teile des Kigosi-Nationalparks, der erst vor nicht allzu langer Zeit aus einem Wildreservat hervorging, sowie Moyowosi, das weiterhin den Status eines Wildreservats besitzt. Beide Gebiete sind nach den Flüssen benannt, die durch ihre Territorien verlaufen. 3 weitere Flüsse bilden gemeinsam ein großes Feuchtgebietssystem in dieser Region. Es handelt sich um dieselben Feuchtgebiete wie im Ugalla-River-Nationalpark – und sie sind ebenso wenig erforscht.
Dennoch gab es Versuche, die Populationen einheimischer Vogelarten hier einzuschätzen. Belegt sind Vorkommen von Lachseeschwalben (Gelochelidon nilotica), Weißflügel-Seeschwalben (Chlidonias leucopterus), Weißrückenenten (Thalassornis leuconotus), Rotbauchreihern (Ardeola rufiventris), Rallenreihern (Ardeola ralloides), Goliathreihern (Ardea goliath) sowie Purpurreihern (Ardea purpurea) und Mittelreihern (Ardea intermedia). Neben Mittelreihern wurden hier auch Silberreiher (Ardea alba) gesichtet. Vögel wie Reiher und Silberreiher nisten häufig gemeinsam, sodass eine Begegnung mit einem Schwarm mehrere Arten auf die Liste eines Vogelbeobachters bringen kann.
Eine der faszinierendsten Vogelarten dieses Gebiets ist der Schuhschnabel (Balaeniceps rex). Er ist selten, doch sein Vorkommen in diesem Teil Tansanias wurde dokumentiert. Die Informationen zur lokalen Population sind allerdings veraltet; es wäre daher besonders interessant, die Existenz von Schuhschnäbeln in diesen Sümpfen erneut zu bestätigen.
In den weiten Landschaften von Kigosi und Moyowosi können Sie bemerkenswerten Vögeln wie der Doppelschnepfe (Gallinago media), dem Klunkerkranich (Grus carunculata) und dem Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis) begegnen – der größten aller Storchenarten. Sattelstörche fallen nicht nur durch ihr markantes Erscheinungsbild auf, sondern auch durch ihre Flughaltung. Erfahrene Vogelbeobachter erkennen einen fliegenden Sattelstorch aus der Ferne an der einzigartigen Haltung, bei der er seinen schweren Schnabel nach unten senkt; dadurch ist er unter anderen Vögeln kaum zu verwechseln.
Vielen Dank, dass Sie unseren Beitrag über die faszinierende Vogelwelt im Westen Tansanias gelesen haben. Einen vollständigen Überblick über die wichtigsten Vogelbeobachtungsgebiete des Landes finden Sie in unserem Übersichtsartikel „Tansania. Top 10 Orte zur Vogelbeobachtung“.
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