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Vogelbeobachtung auf Mafia Island und an der Südküste Tansanias

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Vogelbeobachtung Vogelbeobachtung

Dieser Leitfaden führt Sie zu den Vogelbeobachtungsgebieten Tansanias – durch vielfältige Lebensräume in einem der artenreichsten Naturräume Ostafrikas. Im Mittelpunkt stehen die Küstenwälder nahe dem Indischen Ozean und Mafia Island, zwei bedeutende Birding-Regionen im Süden Tansanias. Wir stellen bemerkenswerte Vogelarten vor und zeigen, welche Orte sich für die Beobachtung besonders lohnen. Wenn Sie sich für den Norden Tansanias interessieren, finden Sie bei uns außerdem ausführliche Beiträge zur Vogelbeobachtung in der Serengeti und im Ngorongoro sowie in den Nationalparks am Kilimandscharo und bei Arusha. Die Birding-Gebiete rund um Dar es Salaam, einschließlich der Insel Sansibar, behandeln wir in einem eigenen Artikel. Die westlich der hier beschriebenen Regionen gelegenen Gebiete finden Sie in unserem Blogbeitrag zur Vogelbeobachtung in Selous und Nyerere, Mikumi und Ujungwa.

Östlich des berühmten Selous-Wildreservats liegen zahlreiche kleinere Gebiete, die aus ornithologischer Sicht und für Birding-Reisen interessant sind. Nicht für alle existieren vollständige Artenlisten; einige Flächen sind zudem zu klein, um in eine Auswahl aufgenommen zu werden. Deshalb konzentrieren wir uns hier auf die spannendsten Orte für Reisende, die in Tansania gezielt Vögel beobachten möchten.

Küstenwälder des Rufiji-Distrikts

Von den 20 Waldreservaten im Rufiji-Distrikt sind bislang nur 2 ausreichend erforscht: kleine Waldfragmente zwischen dem Selous und dem Rufiji-Flussdelta.

Diese Gebiete eröffnen gute Möglichkeiten, faszinierende Vogelarten zu beobachten, darunter den Südlichen Gebänderten Schlangenadler (Circaetus fasciolatus), die Angola-Pitta (Pitta angolensis), den Dunkelrückenweber (Ploceus bicolor), den Gelben Elfenschnäpper (Erythrocercus holochlorus) und den Livingstone-Elfenschnäpper (Erythrocercus livingstonei). Die beiden letztgenannten Arten teilen sich unterschiedliche Flussufer: Der gelbe Elfenschnäpper lebt am nördlichen Ufer des Rufiji, während sein naher Verwandter, der Livingstone-Elfenschnäpper, das südliche Ufer besiedelt.

Dunkelrückenweber. Foto von Stefan Hirsch
Dunkelrückenweber. Foto von Stefan Hirsch
Livingstone-Elfenschnäpper. Foto von Dubi Shapiro
Livingstone-Elfenschnäpper. Foto von Dubi Shapiro

Typische Arten dieses Gebiets sind der Braunkopfpapagei (Poicephalus cryptoxanthus), der Blasse Batis (Batis soror) aus der Familie der Lappenschnäpper (Platysteiridae), der Grünbuschwürger (Telophorus viridis), der Uluguru-Nektarvogel (Anthreptes neglectus) und zum Beispiel der Sansibar-Feuerweber (Euplectes nigroventris).

Braunkopfpapagei
Braunkopfpapagei
Sansibar-Feuerweber. Foto von Yuh Woei Chong
Sansibar-Feuerweber. Foto von Yuh Woei Chong

Das Rufiji-Flussdelta an der Mündung in den Indischen Ozean lassen wir hier aus, da aus diesem Gebiet bislang nur wenige Arten genauer untersucht wurden. Für Vogelbeobachter sind diese Orte dennoch interessant.

Mafia Island

Mafia ist eine Inselgruppe gegenüber dem Rufiji-Delta, 25 km vom tansanischen Festland entfernt im Indischen Ozean. Zum Archipel gehören die Hauptinsel, ebenfalls Mafia genannt, mehrere kleine Inseln sowie Sandinseln, die bei Ebbe zeitweise sichtbar werden. Die Inseln bestehen aus Korallengestein und ziehen daher sowohl Taucher als auch Naturschützer an. Tansanias erster Meerespark wurde auf Mafia Island eingerichtet.

Das Ökosystem von Mafia umfasst Mangrovensümpfe, Buschland, Grasflächen und einige Küstenwälder, die durch die Ausdehnung der Landwirtschaft bereits beeinträchtigt wurden. Dennoch beherbergt die ornithologische Zone von Mafia Island – mit der Chole Bay, der Südküste der Hauptinsel, benachbarten Inselchen und den dazwischenliegenden Gewässern – rund 200 Vogelarten.

Eine Art, die auf Mafia Island in großer Zahl vorkommt, ist der Reiherläufer (Dromas ardeola), der an der Küste des Indischen Ozeans heimisch ist. Seinen Namen verdankt er seiner Nahrung: verschiedenen Krebstieren sowie einem kräftigen Schnabel, mit dem er die harten Schalen von Krabben und Weichtieren aufbrechen kann. Faszinierend ist die Jagdweise dieser Vögel: Sie nähern sich ihrer Beute rasch und fast schleichend, schlagen blitzschnell zu und zerteilen sie anschließend. An den Ufern der Chole Bay lassen sich Hunderte Reiherläufer beobachten.

In großer Zahl werden hier Zugvögel wie Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea), Terekwasserläufer (Xenus cinereus) und Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) beobachtet. Auch die Eilseeschwalbe (Thalasseus bergii), ein imposanter Vertreter der Möwenverwandten (Laridae), ist in diesen Regionen heimisch. Ihren Namen erhielt dieser auffällige Vogel durch den markanten schwarzen Schopf am Hinterkopf. Mit seiner charakteristischen Erscheinung könnte er beinahe als Vorlage für eine ausdrucksstarke Vogelfigur in einem Animationsfilm dienen.

Eilseeschwalben ernähren sich vor allem von Fischen, nehmen gelegentlich aber auch Muscheln und Krebstiere auf. Dank ihres außergewöhnlichen Sehvermögens, das ihnen den Blick weit in die Ferne und sogar durch leichten Nebel ermöglicht, erkennen sie Fischschwärme unter Wasser. Möglich wird dies durch den spezialisierten Aufbau ihrer Netzhaut: Rote Öltröpfchen in den Zapfen erhöhen den Kontrast. Die Ufer der kleinen Inseln südlich von Mafia gehören zu den bevorzugten Nahrungsgebieten der Eilseeschwalben.

Eine weitere eindrucksvolle Vogelart der Inseln ist der Goliathreiher (Ardea goliath). Seinen Namen trägt er wegen seiner enormen Größe: Er kann bis zu 152 cm hoch werden. Goliathreiher sind geschickte Jäger großer Fische, müssen jedoch aufmerksam bleiben, denn ihre Beute kann ihnen von anderen Arten abgenommen werden, etwa von Störchen, Pelikanen oder sogar Adlern.

Goliathreiher
Goliathreiher
Küstenreiher, graue Morphe
Küstenreiher, graue Morphe

Zu den weiteren hier beobachteten Arten zählen der Küstenreiher (Egretta gularis), der Weißbrauenkuckuck (Centropus superciliosus), auch als Lerchenspornkuckuck bekannt, sowie der Bart-Heckensänger (Cercotrichas quadrivirgata). Genauer gesagt handelt es sich um die Unterart Cercotrichas quadrivirgata greenwayi. Dieser Vogel ist auf Mafia und Unguja endemisch – jener Insel, die besser als Sansibar bekannt ist.

Küstenwälder des Kilwa-Distrikts

Südlich des Rufiji-Flussdeltas, zwischen dem Selous und dem Indischen Ozean, liegt der Kilwa-Distrikt. Dort befinden sich 15 Waldreservate, die zu einem bedeutenden Vogelgebiet zusammengefasst werden. Nicht alle dieser kleineren Reservate sind gut erforscht; entsprechend begrenzt sind die Daten zu den dort lebenden Arten. Die Landschaft besteht aus vereinzelten niedrigen Hügeln, Waldland und Mangroven.

Unter den interessanten Arten, die hier vorkommen, sind der Reichenow-Nektarvogel (Anthreptes reichenowi), der an der tansanischen Küste verbreitete Südliche Gebänderte Schlangenadler (Circaetus fasciolatus) sowie weitere Greifvögel wie der Wahlbergadler (Hieraaetus wahlbergi), der Ayres-Habichtsadler (Hieraaetus ayresii), der Kronenadler (Stephanoaetus coronatus) und der Afrikanische Kuckucksweih (Aviceda cuculoides). Letzterer ist besonders spannend zu beobachten, weil Ornithologen über das Verhalten dieser Art noch wenig wissen. Es handelt sich um einen sehr heimlichen Vogel, der allein lebt und jagt. Der Kuckucksweih ist selten; ihn zu beobachten oder zu fotografieren, verlangt daher Geduld. Er bevorzugt Wälder, nutzt mitunter aber auch offenere Lebensräume wie Savannen mit Buschwerk oder Gärten am Rand von Städten.

Wahlbergadler
Wahlbergadler
Afrikanischer Kuckucksweih. Foto von Ori Davidor
Afrikanischer Kuckucksweih. Foto von Ori Davidor

Die Fleckenerddrossel (Geokichla guttata) ist in diesen Gebieten von November bis Mai zu sehen, allerdings gehört auch hier etwas Glück dazu. Es ist eine große Drossel mit dunklen Flecken auf der Körperunterseite. Trotz ihres markanten Erscheinungsbildes lässt sie sich nur schwer entdecken. Zudem ist sie insgesamt selten und durch Lebensraumverlust leider vom Aussterben bedroht.

Fleckenerddrossel
Fleckenerddrossel
Wespenbussard
Wespenbussard

Zu den Zugvogelarten, die in diesen Landesteilen erscheinen, zählt der Wespenbussard (Pernis apivorus) aus der Familie der Habichtartigen. In verschiedenen Sprachen trägt er unterschiedliche Namen; zutreffend sind jedoch jene, die sich auf Wespen beziehen und nicht auf Bienen oder Honig. Diese Bussarde suchen nach Wespenlarven und -puppen, die sie erbeuten, indem sie die Nester im Boden zerstören. Der Vogel kann lange auf unteren Ästen sitzen, vorbeifliegende Wespen verfolgen und deren Nester ausfindig machen. Danach fliegt er vom Ast, zerstört das Nest mit geschlossenen Augen und holt seine bevorzugte Nahrung heraus. Sein dichtes Gefieder schützt ihn vor Wespenstichen. Gelegentlich ergänzt der Wespenbussard seine Nahrung durch Larven von Hummeln und Bienen, außerdem durch Frösche, Mäuse, kleine Vögel und selten auch Früchte.

Weitere Zugvögel, die im südlichen Küstengebiet Tansanias überwintern, sind der Amurfalke (Falco amurensis) und der Schieferfalke (Falco concolor).

Unter den lokalen Arten freuen sich Birding-Reisende besonders über Sichtungen von Livingstone-Turako (Tauraco livingstonii) und Glanzhaubenturako (Gallirex porphyreolophus). Letzterer wird in vielen Quellen auch unter dem Namen Tauraco porphyreolophus geführt. Beide Turako-Vertreter sind leuchtend gefärbt und ausgesprochen schön. Der Glanzhaubenturako gilt als Nationalvogel des Königreichs Eswatini, eines Landes im südlichen Afrika, das früher Königreich Swasiland hieß.

Livingstone-Turako. Foto von Frédéric PELSY
Livingstone-Turako. Foto von Frédéric PELSY
Glanzhaubenturako
Glanzhaubenturako

Auch der Berglangschwanzkuckuck (Cercococcyx montanus) kommt in diesen Gebieten vor. Als Brutparasit nutzt er mehrere Wirtsarten. In Tansania gehört dazu häufig der Sharpe-Akalat (Sheppardia sharpei). Einer der schönsten Vögel der Region ist der Böhmspint (Merops boehmi). Er lebt typischerweise in gut belichteten, dichten Wäldern, hier also in der Küstenzone. In lichteren Wäldern kann man dem Böhm-Stachelschwanzsegler (Neafrapus boehmi) begegnen. Beide Arten sind nach dem deutschen Afrikaforscher und Zoologen Richard Böhm benannt, der im 18. Jahrhundert mutig reiste – zunächst nach Sansibar, später auf das ostafrikanische Festland und in Gebiete der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Böhm war einer der ersten Wissenschaftler in dieser Region, der die lokale Vogel- und Säugetierwelt aktiv untersuchte. Er entdeckte viele neue Vogelarten und sandte zahlreiche ornithologische Berichte nach Europa. Tragischerweise starb er im Alter von 29 Jahren nach einer Malariaerkrankung tief im Inneren Afrikas, nahe dem von ihm entdeckten Upemba-See.

Böhmspint
Böhmspint
Böhm-Stachelschwanzsegler. Foto von Tristan Herwood
Böhm-Stachelschwanzsegler. Foto von Tristan Herwood

In den Waldreservaten des Kilwa-Distrikts lassen sich mehrere Arten der Gattung Phyllastrephus beobachten, zu der vor allem Bülbüls gehören. Hinzu kommen etwa die Rotschwanz-Ameisendrossel (Neocossyphus rufus) und der Bart-Heckensänger (Cercotrichas quadrivirgata), der als endemisch für Unguja und Mafia Island gilt, aber auch im Festlandsgebiet unmittelbar südlich des Archipels vorkommt.

Rotschwanz-Ameisendrossel. Foto von Markus Lilje
Rotschwanz-Ameisendrossel. Foto von Markus Lilje
Bart-Heckensänger
Bart-Heckensänger

Küstenwälder des Lindi-Distrikts

Der Lindi-Distrikt liegt im Südosten Tansanias. Das ornithologische Gebiet umfasst mehrere Waldreservate. Es handelt sich durchweg um Waldfragmente auf Plateaus oder auf kleinen Erhebungen und Rücken. Nur etwa die Hälfte dieser Waldflächen ist bislang erforscht.

Unter den dort lebenden Arten sind bekannte Populationen des Küstenakalats (Sheppardia gunningi) und der Fleckenerddrossel (Geokichla guttata). Auch der Grünbartvogel (Stactolaema olivacea), dessen bevorzugte Nahrung Feigen sind, sowie der Grünkopforiol (Oriolus chlorocephalus) wurden nachgewiesen – ein Vogel mit schöner Erscheinung und klangvoller Stimme. Er besitzt eine olivgrüne Brust und einen gelben Bauch.

Grünbartvogel. Foto von Dubi Shapiro
Grünbartvogel. Foto von Dubi Shapiro
Grünkopforiol. Foto von Dubi Shapiro
Grünkopforiol. Foto von Dubi Shapiro

Hohe Berge gibt es hier nicht. Dennoch wurde das Vorkommen einiger Bergarten gemeldet, darunter die Weißbrustalethe (Chamaetylas fuelleborni) und der Vielfarben-Buschwürger (Chlorophoneus multicolor/Telophorus multicolor). Letzterer ist für Tansania nicht typisch, weshalb sein Nachweis in den Lindi-Wäldern ein interessanter Fund ist, der von erfahrenen Vogelbeobachtern bestätigt werden sollte.

Weißbrustalethe. Foto von Flemming Pagh Jensen
Weißbrustalethe. Foto von Flemming Pagh Jensen
Vielfarben-Buschwürger. Foto von Michael Todd
Vielfarben-Buschwürger. Foto von Michael Todd

Auch der Dunkelrückenweber (Ploceus bicolor), Kretschmers Langschnabel (Macrosphenus kretschmeri), der Livingstone-Elfenschnäpper (Erythrocercus livingstonei) und die Angola-Pitta (Pitta angolensis) wurden hier beobachtet. Da Flüsse vom Plateau hinabfließen, leben hier zudem Arten, die dauerhaft an Gewässer gebunden sind, etwa der Afrikanische Flossenfuß (Podica senegalensis) und der Weißrückenreiher (Gorsachius leuconotus).

Weitere typische Bewohner des Gebiets sind der Schwarzbauch-Glanzstar (Notopholia corusca), der Grünbuschwürger (Telophorus viridis) und der Südliche Gebänderte Schlangenadler (Circaetus fasciolatus).

Noch weiter südlich, fast an der Grenze zu Mosambik, sind mehrere kleine ornithologische Zonen ausgewiesen. Sie sind jedoch nur sehr wenig erforscht, weshalb wir die Gebiete um Newala und Mtwara sowie die Mnazi Bay hier nicht gesondert beschreiben. Zudem unterscheiden sie sich kaum von den weiter nördlich gelegenen Regionen, die wir bereits vorgestellt haben.

Vielen Dank, dass Sie uns heute auf diese Reise begleitet haben. Vielleicht sehen wir Sie eines Tages hier in Tansania. Über alle weiteren Orte zur Vogelbeobachtung in Tansania lesen Sie im Überblicksartikel von Altezza Travel „Tansania. Die 10 besten Orte zur Vogelbeobachtung“.

Veröffentlicht am 13 July 2023 Aktualisiert am 20 May 2026
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Über den Autor
Yurii Bogorodskiy

Yurii, festangestellter Rechercheur und Autor bei Altezza Travel, lebt seit 2019 in Tansania. Er hat viele der weniger bekannten Reiseziele des Landes erkundet, darunter den Kitulo- und den Rubondo-Nationalpark, den Viktoriasee, Sansibar sowie zahlreiche historische, natürliche und archäologische Stätten.

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