Nahezu senkrechte Felsabbrüche von mehr als 6 km Höhe, extreme Strahlungswerte und Temperaturen bis −90 °C gehören nur zu den Herausforderungen, denen künftige Entdecker bei einer Besteigung des Olympus Mons auf dem Mars begegnen würden – dem höchsten Berg und größten Vulkan im Sonnensystem. Altezza Travel betrachtet genauer, was ein solcher Aufstieg tatsächlich bedeuten würde.
Der Gipfel des Olympus Mons als Symbol der Marserkundung
Seit jeher treibt der Wunsch, das Unbekannte zu erkunden, die Menschheit voran. Im Zeitalter der Entdeckungen gab dieser Traum Menschen die Kraft, nach neuen Ländern zu suchen. Nachdem die ersten Seeleute bis dahin unbekannte Inseln und Kontinente erreicht hatten, folgten ihnen Tausende Reisende. Schritt für Schritt erkundeten sie Ebenen und Berggipfel, bis die Weltkarten schließlich keine weißen Flecken mehr zeigten.
Im 20. Jahrhundert richtete sich der menschliche Ehrgeiz auf den Weltraum. 1969 betrat erstmals ein Mensch die Oberfläche des Mondes, und fast unmittelbar danach wurde die Erkundung des Mars öffentlich diskutiert. Im Jahr 2020 kündigte SpaceX-Gründer Elon Musk seine Absicht an, 1.000 Raumfahrzeuge zu bauen und bis 2050 rund 1 Million Menschen auf den Mars umzusiedeln. Der erste, unbemannte Start, ursprünglich für 2026 geplant, wurde später auf 2028 verschoben – ein Zeitpunkt, an dem Erde und Mars für eine solche Mission besonders günstig zueinanderstehen würden.
Ein bemannter Testflug dürfte selbst nach den optimistischsten Einschätzungen kaum vor 2033–2040 stattfinden. Doch früher oder später wird die Menschheit vor der Frage stehen, wie sie den Abschluss der ersten Phase einer Marskolonisierung markiert. Viele sehen in der Besteigung des Olympus Mons, des kolossalen Berges über der Marsoberfläche, die stärkste symbolische Geste.
Was ist der Olympus Mons?
Systematische Beobachtungen des Mars begannen bereits im 19. Jahrhundert. Lange Zeit erkannten Astronomen an der Stelle des heutigen Olympus Mons jedoch nur einen hellen Fleck. Auf den frühesten Marskarten wurde diese Region als Nix Olympica („Schnee des Olympus“) bezeichnet. Forschende vermuteten eine Eisablagerung, da die damalige Teleskoptechnik keine feineren Details erkennen ließ.
Die Antwort kam erst 1971, als die interplanetare Sonde Mariner 9 den Roten Planeten erreichte. Die zur Erde übertragenen Bilder zeigten, dass der rätselhafte helle Fleck in Wirklichkeit der höchste Berg des Sonnensystems war. Um die Kontinuität zu früheren Karten zu wahren, nannten Wissenschaftler ihn Olympus und verwendeten die lateinische Bezeichnung Olympus Mons.
Eine Vulkaninsel in einem uralten Ozean
Weitere Analysen der Aufnahmen zeigten, dass der Olympus Mons ein erloschener Vulkan mit nahezu perfekter Kreisform ist. Der Durchmesser der alten Caldera beträgt rund 70 km, während sich die Basis des Berges über bis zu 601 km erstreckt. Um den Vulkan liegt ein Netz kleinerer Rücken und Berge, die als Olympus Aureole bekannt sind und sich bis zu 1.000 km vom Gipfel entfernen. Die Gesamtfläche dieses Bergsystems ist mit der gemeinsamen Fläche Frankreichs und Polens vergleichbar.
Wie hoch ist der Olympus Mons?
Die Höhe des Olympus Mons über der durchschnittlichen Marsoberfläche beträgt etwa 21,2 km; von der Basis bis zum Gipfel erreicht er rund 26 km. Damit ist er um ein Vielfaches höher als der Mount Everest, der höchste Gipfel der Erde mit 8,8 km.
Zu den auffälligsten Merkmalen des Olympus Mons gehören seine steilen, teils nahezu senkrechten Abbruchkanten, die an den Rändern des Berges 6 bis 7 km aufragen. Jahrzehntelang diskutierten Wissenschaftler, wie diese dramatischen Klippen entstanden sind. Ein Durchbruch gelang 2023, als der Mars-Express-Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation eine gefaltete, stark erodierte Region an der Nordflanke des Vulkans fotografierte.
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Anthony Hildenbrand von der Universität Paris-Saclay veröffentlichte im Oktober 2023 eine Studie, nach der der Olympus Mons vulkanischen Inseln auf der Erde ähnelt, etwa den Azoren, den Kanarischen Inseln und Hawaii. Die charakteristische Form seiner steilen Randhänge könnte darauf hindeuten, dass der Olympus Mons vor rund 3,4 bis 3,7 Milliarden Jahren als Insel aus einem uralten Marsozean ragte, der etwa 6 km tief war. Als Lava aus dem Förderschlot des Vulkans austrat und mit Küstengewässern in Kontakt kam, entstanden gewaltige Hangrutsche, von denen einige fast 1.000 km weit reichten.
Eine Entdeckung aus dem Jahr 2024 deutete darauf hin, dass dieser uralte Ozean möglicherweise nicht vollständig verschwunden ist. Wissenschaftler der Europäischen Weltraumorganisation kombinierten Beobachtungsdaten des Trace Gas Orbiter und von Mars Express und fanden deutliche Hinweise auf regelmäßige Frostbildung auf dem Gipfel des Olympus Mons. Der Frost hält nachts nur wenige Stunden an und verdampft nach Sonnenaufgang. Seine Dicke beträgt lediglich 0,01 mm, doch die auf diese Weise abgelagerte Wassermenge erreicht insgesamt etwa 150.000 Tonnen – genug, um 60 olympische Schwimmbecken zu füllen.
Die Besteigung des Olympus Mons
Wer die Besteigung des Olympus Mons erstmals vorschlug
Zu den ersten Menschen, die öffentlich die Idee einer Besteigung des Olympus Mons formulierten, gehörte der bekannte russische Entdecker Fjodor Konjuchow. Im Laufe seines Lebens absolvierte er mehrere Dutzend Expeditionen, darunter mehrere Solo-Weltumsegelungen.
2002 überquerte Konjuchow beispielsweise allein in einem Ruderboot den Atlantik – in nur 6 Wochen. 2004–2005 wurde er der erste Segler der Geschichte, dem eine Solo-Nonstop-Weltumsegelung auf einer Maxi-Yacht über gelang. Insgesamt legte er rund 257.500 km allein auf den Weltmeeren zurück. Diese Distanz entspricht nahezu 6,5 Erdumrundungen entlang des Äquators.
2012 bestieg Konjuchow 9 der höchsten Gipfel Äthiopiens. 2015 erreichte er den Gipfel des Mount Everest über den Nordgrat von tibetischer Seite. 2020 bestiegen Fjodor Konjuchow und seine Söhne den höchsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo. Die Expedition wurde von Altezza Travel organisiert.
Im April 2024 sagte Konjuchow in einem Interview, dass er von der Besteigung des Olympus Mons träume:
„Mein Traum ist es, den Olympus Mons auf dem Mars zu besteigen. Er ist ein erloschener Vulkan und der höchste Berg im Sonnensystem. Seine Höhe übersteigt 20 km, mit steilen, senkrechten Wänden. Ich beneide diejenigen, die auf dem Mars landen und den Olympus besteigen können. Hätte ich weitere 300 Jahre, würde ich sie der Vorbereitung dieser Expedition widmen.“
Die Herausforderungen einer Besteigung des Olympus Mons
Druck, Temperatur und Strahlung
Wissenschaftler verfügen bereits über genügend Daten, um detailliert zu modellieren, wie ein Aufstieg zum Olympus Mons durch unsere nahen Nachkommen ablaufen könnte. Die erste und unmittelbarste Herausforderung wäre die extrem dünne Atmosphäre. Der durchschnittliche Luftdruck an der Marsoberfläche beträgt etwa 610 Pascal – rund 160-mal niedriger als auf der Erde. Auf dem Gipfel des Olympus Mons würde der Druck noch weiter fallen, auf nur 70–100 Pascal.
Unter solchen Bedingungen können Menschen nur in einem vollständig druckstabilisierten Raumanzug überleben. Bestehende Raumanzüge sind für den Einsatz in ähnlichen Umgebungen ausgelegt, doch eine Expedition zum „Gipfel des Mars“ würde erhebliche technische Weiterentwicklungen erfordern.
Die zweite große Herausforderung ist die Temperatur. Während des Marssommers können die Tagestemperaturen an der Basis des Olympus Mons gelegentlich auf vergleichsweise angenehme +27 °C steigen. Nachts fallen sie jedoch auf −70 °C, und auf dem Gipfel können sie bis auf −90 °C absinken. Theoretisch ließe sich auch dieses Problem durch einen fortschrittlichen Wärmeschutz in Raumanzügen lösen.
Ein deutlich ernsteres Hindernis ist die Strahlung. Langzeitmessungen der Raumsonde Mars Odyssey zeigen, dass die Strahlungswerte im Marsorbit etwa 2,5-mal höher liegen als an Bord der Internationalen Raumstation und rund 20 Millirad pro Tag erreichen. Das ist etwa 36-mal mehr als die Strahlung an der Erdoberfläche. Eine längere Exposition ohne ausreichende Abschirmung könnte schwere gesundheitliche Folgen haben, darunter ein erhöhtes Krebsrisiko sowie Schäden an Zellen und DNA.
Klippen und Ebenen
Wenn ein Marsbergsteiger den Aufstieg von der Olympus Aureole aus beginnt, wird der Gipfel nicht sichtbar sein. Wegen der enormen Größe des Vulkans liegt er weit hinter dem Horizont. Stattdessen stünde der Bergsteiger zunächst vor einem relativ steilen unteren Hang, begrenzt von senkrechten Klippen, die an den Rändern des Berges 6 bis 7 km aufragen. Ein Aufstieg in solchem Gelände wäre schon auf der Erde außerordentlich schwierig.
Auf dem Mars käme die geringere Schwerkraft hinzu, die nur etwa 38% der Erdanziehungskraft beträgt. Einerseits würden Gehen und Springen leichter fallen, da das effektive Gewicht eines Menschen rund 2,6-mal geringer wäre. Andererseits wäre es deutlich schwieriger, nach einem Sprung anzuhalten oder den eigenen Schwung zu kontrollieren.
Sobald der Bergsteiger die Haupthänge des Olympus Mons erreicht, wirkt der Aufstieg trügerisch einfacher. Die durchschnittliche Neigung beträgt hier nur etwa 5 Grad. Die letzten 300 km würden daher eher einem langen, erschöpfenden Trekking gleichen als einer technischen Kletterroute. Bei gutem Tempo könnte allein diese Etappe bis zu 2 Wochen dauern. Die entscheidenden Herausforderungen wären ausreichend Nahrung und Sauerstoff sowie die Frage, wo Ruhepausen möglich sind – im Raumanzug oder in mobilen Schutzräumen.
Die höchsten Berge im Sonnensystem
Häufig gestellte Fragen
Weil „Höhe“ entweder die Gipfelhöhe über dem Referenzniveau eines Planeten oder den gesamten Höhenunterschied vom Fuß des Vulkans bis zum Gipfel bedeuten kann.
Es werden 2 Methoden verwendet. Die absolute Höhe wird vom Meeresspiegel, auf dem Mars von einem durchschnittlichen Oberflächenreferenzniveau, bis zum Gipfel gemessen. Die relative Höhe misst vom Fuß des Berges bis zum höchsten Punkt und kann deutlich größer sein. Mauna Kea ist ein klassisches Beispiel: rund 4.200 m über dem Meeresspiegel, aber etwa 10.203 m vom Meeresboden bis zum Gipfel.
Möglich. Einige Forschende vermuten, dass der Mars noch immer einen aufsteigenden Mantelplume besitzt, der Vulkanismus in Tharsis erneut aktivieren könnte.
Die jüngste Lava am Olympus Mons wird auf etwa 2 Millionen Jahre datiert. Ein US-niederländisches Team kam bei der Analyse von NASA-InSight-Daten zu dem Schluss, dass unter der Tharsis-Region langsam ein heißer Mantelplume aufsteigt. Er bewegt sich möglicherweise nur 1–2 cm pro Jahr. Wenn er sich jedoch der Vulkanprovinz nähert, könnte er Magmasysteme erneut aufheizen und Ausbrüche auslösen – an einem oder mehreren Vulkanen.
Vor allem eine flache, felsige Wüste. Der Gipfelbereich ist so breit und sanft geneigt, dass der Blick eher wie eine Ebene bis zum Horizont wirkt.
Olympus Mons ist enorm groß, und seine oberen Hänge sind flach. Der „Gipfel“ fühlt sich daher nicht wie eine scharfe Spitze an. Ein Bergsteiger würde vermutlich eine karge Landschaft sehen, die sich weit nach außen zieht, ohne starkes Gefühl dramatischer Höhe. Selbst die ersten Gipfelfotos könnten unspektakulär wirken, weil kaum erkennbar wäre, ob die Person auf dem höchsten Berg des Sonnensystems oder auf einem flachen Plateau steht.
Eigentlich nicht. Nahe dem höchsten Punkt ist die Neigung so gering, dass man sogar Mühe hätte, bergab zu rutschen.
Anders sieht es an den äußeren Rändern des Vulkans aus. Olympus Mons ist stellenweise von steilen, nahezu senkrechten Abbruchkanten umgeben, die mehrere Kilometer hoch sind. Diese Klippen wären die eigentliche Absturzgefahr.
Nein. Rover sind dort bislang nicht gelandet, weil Höhe, dünne Atmosphäre und unsichere Oberflächenbedingungen eine sichere Landung und Fortbewegung extrem schwierig machen.
Die enorme Höhe des Berges und die ohnehin dünne Marsatmosphäre verringern die Wirksamkeit von Fallschirmen und erschweren den Abstieg. Auch flugzeugähnliche Drohnen sind dort eingeschränkt. Am Boden könnten dicker, lockerer Staub und eine unbekannte Untergrundstruktur einen Rover festsetzen oder bewegungsunfähig machen. Die Forschung zu Olympus Mons stützt sich überwiegend auf Orbitalaufnahmen und Fernerkundungsdaten von Missionen wie Mars Express und anderen Raumsonden sowie auf breitere geophysikalische Daten von Missionen wie NASA InSight.
Alle Inhalte auf Altezza Travel entstehen auf Basis fachkundiger Einschätzungen und sorgfältiger Recherche – im Einklang mit unseren Redaktionsrichtlinien.
Möchten Sie mehr über Reisen in Tansania erfahren?
Sprechen Sie mit unserem Team! Wir kennen die wichtigsten Reiseziele in ganz Tansania aus eigener Erfahrung. Unsere Reiseberater am Kilimandscharo teilen gerne ihr Wissen und helfen Ihnen, Ihre Reise sorgfältig zu planen.